Kommunalpolitik – neue Wege für die PBC?
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Klingenthal: wo ist das? Klingenthal gehört zum Vogtlandkreis in Südwestsachsen. Mein Wohnort ist für den Tourismus und den Wintersport bekannt und auch für den Musikinstrumentenbau. „Musikwinkel“ nennt sich unsere Region. Klingenthal ist unter anderem bekannt für die „Weltmeister“ Akkordeons und für Mundharmonikas. Seit wenigen Jahren gibt es die modernste Großskisprungschanze der Welt, die Vogtland-Arena. Klingenthal ist Bundesstützpunkt für verschiedene Skisportarten. Wahrzeichen Klingenthals ist die Rundkirche „Zum Friedensfürsten“. Rundkirchen gibt es nicht viele. Eine der bekanntesten ist die Dresdner Frauenkirche. Wir haben derzeit ca. 8500 Einwohner. Das Durchschnittsalter ist hoch, wir gelten wohl im Durchschnitt als der älteste Ort Sachsens. Wir haben derzeit wenige Geburten und ebenso wenig Zuzug.
Warum erzähle ich das? Ich persönlich glaube, dass wir uns für die Menschen interessieren müssen, für die wir uns politisch engagieren. Wir sind ein Teil unserer Gesellschaft. Die Umstände, die Emotionen, die Menschen bewegen sind wichtig. Von Paulus kommt der Satz “dem Juden ein Jude, dem Griechen ein Grieche”, und genauso gilt: ich muss “dem Klingenthaler ein Klingenthaler” sein.
Der Weg zur Kandidatur Für meine Kandidatur gab es einen Auslöser. Es gibt in Klingenthal einen Verein, der sich für christliche Freizeit- und Jugendarbeit engagiert und der schon seit mehr als 8 Jahre auf der Suche ist nach einem geeigneten Grundstück bzw. Gebäude für diesen Zweck. Er hatte große Schwierigkeiten, etwas zu finden. Nun ist auf dem Aschberg in Klingenthal ein christliches Freizeitheim geplant. Am 14. Januar 2009 hat dann der damalige Stadtrat, der bisher alle Entscheidungen für das Projekt getätigt hatte, nein gesagt, wir wollen das doch nicht. Viele Bürger und besonders Christen im Ort waren darüber natürlich sehr verärgert. Es war zu spüren, dass da offensichtlich Kräfte sind, die etwas gegen Christen und christliche Initiativen haben, so dass diese boykottiert werden. Als nächstes kam die Frage, was machen wir nun? Ärgern wir uns schwarz oder schimpfen wir, oder was tun wir? Und plötzlich sind einige auf die Idee gekommen, es wäre gar nicht so schlecht, sich bei der nächsten Kommunalwahl politisch zu engagieren und zu kandidieren. Viele Leute haben sich Gedanken gemacht, haben Personen vorgeschlagen, der eine oder andere konnte es sich vorstellen, viele Leute waren im Gespräch. Aber als es konkret um die Aufgabenverteilung ging, waren nur noch vier mir bekannte Christen übrig geblieben, die sich zur Stadtratswahl aufstellen lassen wollten.
Nominierung Als Kandidat für den Stadtrat muss man sich nominieren lassen. In unserem kleinen Ortsverband (3 Mitglieder) haben wir eine ordentliche, geheime Wahl mit Hilfe des Kreisverbandes durchgeführt, die den gesetzlichen Regelungen entsprach. Ich wurde zum Kandidaten der PBC nominiert.
Unterstützungsunterschriften Als nächstes waren 60 Unterstützungsunterschriften zu sammeln. Die besondere Schwierigkeit dabei war, dass die Bürger in Sachsen bei den Kommunalwahlen ins Einwohnermeldeamt gehen müssen, um persönlich zu unterschreiben. Für viele ist das allein schon wegen der Öffnungszeiten eine Herausforderung. Da ist mir neben der sehr praktischen Unterstützung meines Vaters, der einige sogar ins Rathaus gefahren hat, zu Hilfe gekommen, dass ich bei ProChrist aktiv dabei war. Dadurch habe ich viele Menschen getroffen, die mich gefragt haben: „du möchtest doch Stadtrat werden“ und die mir dann auch ihre Unterstützung zugesagt haben.
Werbung Wir haben in unserem Tal mehrere Gemeinden verschiedener Denominationen und Konfessionen. Dazu kommen noch weitere christliche Vereine, die sich verschiedentlich engagieren, sozial, Jugendarbeit usw. Wir haben ein großes Potential an Leuten. Und das haben wir auch versucht zu nutzen. Ich habe ganz gezielt dort persönlich vorgesprochen und über meine Kandidatur informiert. Hinzu kamen viele Einzelgespräche, Telefonate und E-Mails.
Ich habe als Werbung eins gesagt: wenn Ihr wollt, dass Christen eine Stimme haben, und zwar alle Christen, dann will ich mich dafür gern zur Verfügung stellen. Umgekehrt heißt das aber auch, dass ich euch mit ins Boot nehme. Das heißt, wenn es um Entscheidungen geht, wenn es um Gebet geht, wenn es um Information geht, dann möchte ich, dass ihr mit involviert seid, dass Ihr mit dabei seid. Es ist nicht so, dass man sagt, ich werde Kandidat, man wird gewählt und gut. Es ist auch mit Zeit und Aufwand verbunden und man braucht Geschwister, die einen den Rücken freihalten. Vorab habe ich einen Flyer erstellt. Das war ein gutes Mittel, um Menschen gezielt ansprechen zu können, sie einzuladen überhaupt zur Wahl zu gehen. Diesen Flyer habe ich nicht als Postwurfsendung verteilt, sondern persönlich an den Mann gebracht.
 Der neue Stadtrat von Klingenthal, mit dabei (zweite Reihe, ganz links): Steve Körner
das Ergebnis Die PBC hat in Klingenthal 5% der Stimmen bekommen, und damit erhielt ich ein Stadtratsmandat. Kurz nach der Wahl war die öffentliche Bekanntmachung und man musste schriftlich erklären, dass man das Mandat annimmt. Wer sich überlegt, für ein Kommunalparlament zu kandidieren, dem muss auch klar sein: ich mach das. Ich habe mich dann mit einem Einzelkandidaten der Bürgerinitiative Klingenthal zusammengetan, mit einem Freund, einem Christen und wir haben eine gemeinsame Fraktion im Stadtrat gebildet. Ein Gebetskreis und ein Ältester haben uns eingesegnet und für uns gebetet. Wir wurden auf der ersten Stadtratssitzung dann offiziell vereidigt. Durch die gemeinsame Fraktion sind wir in allen entscheidenden Ausschüssen mit vertreten. Wir haben dadurch auch die Möglichkeit, “beratende Bürger” vorzuschlagen, d.h. wir können in den Ausschüssen andere Christen vorschlagen, die ihre Meinung und ihre Erfahrung einbringen können.
Ausblick Die PBC hat ja viele außerparlamentarische Möglichkeiten, aber warum ist die Kommunalpolitik wichtig? Warum sollen wir gerade dort Mandate anstreben?
1) Man bekommt dadurch eine demokratisch legitimierte Stimme. Man ist nicht irgendjemand, der eine Meinung hat, sondern ein gewisser Teil der Bevölkerung sagt, ich möchte, dass diese Person meine Interessen vertritt. 2) Wenn man Teil im Stadtrat ist, bekommt man Informationen frühzeitig, und nicht erst dann, wenn sprichwörtlich das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Man weiß schon vorher, was initiiert wird, was da am Laufen ist, was da vielleicht auch auf uns als Christen zukommt. Man kann bei „Gefahr“ und Problemen eher intervenieren. 3) Es fördert die Einheit des Volkes Gottes. Wir sind EINE Stimme für alle Christen, nicht für die katholischen, die evangelischen, oder für sonst eine Konfession. Nein, wir sind für alle Christen eine Stimme in der Politik. 4) Man kann sich einbringen. Auch Politiker sind Menschen, auch Politiker kochen nur mit Wasser, aber wir haben Gebetskreise im Hintergrund und wir haben Glaubensgeschwister, die sich mit Themen beschäftigen. Wir können gemeinsam Gott um Weisheit bitten und wir können auch von ihm Weisheit empfangen. Wir können uns für Gott und für die Menschen in unserer Region einsetzen und unsere Stimme für sie erheben.
Ich möchte Euch Mut machen, mit der Kommunalpolitik neue Wege für die PBC zu beschreiten.
Steve Körner, Mitglied des Bundesvorstands der PBC und seit August 2009 Stadtrat in Klingenthal
(gekürzter Text eines Vortrags vom 22. Bundesparteitag in Kirchheim)
Bildnachweis: Landkarte Sachsen: Wikipedia Saxony_location_map_G.svg, Benutzer:Hanhil, Creative Commons-Lizenz
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